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Wenn das Velo Teil des Unterrichts wird

Leuchtwesten nähen, Velo-Flick-Sets zusammenstellen und eine Route für die Abschlussreise planen – das Thema Velo ist im Klassenzimmer angekommen. Mit einem Pilotprojekt an Schulen will die Gemeinde Köniz Jugendliche dazu animieren, wieder vermehrt aufs Velo zu setzen. Mittendrin zwei 7. Klassen des Oberstufenzentrums Köniz.

Sibylle Küenzi und Florian Zwahlen posieren mit einem Velo in einem Klassenzimmer
Sibylle Küenzi und Florian Zwahlen bringen das Velo ins Klassenzimmer. Foto: Regine Strub

Die Idee ist eigentlich nicht ungewöhnlich: Am Ende der 9. Klasse möchte Florian Zwahlen, Klassenlehrer am Oberstufenzentrum Köniz (OZK), mit seinen Schülerinnen und Schülern eine Abschlussreise machen – und zwar per Velo. 

Ungewöhnlich ist hingegen, dass er bei seinem Vorhaben von der Gemeinde Köniz unterstützt wird. Diese hat letztes Jahr im Rahmen des Programms Fuss Velo Köniz ein Pilotprojekt lanciert, welches das Velofahren an Schulen fördern will. Neben der 7. Klasse von Florian Zwahlen nimmt auch die Parallelklasse, die von Sibylle Küenzi unterrichtet wird, am Projekt teil.

Mehr Möglichkeiten mit dem Velo

Als die Anfrage der Gemeinde kam, ob er mit seiner Klasse am Pilotprojekt teilnehmen möchte, musste Florian Zwahlen nicht zweimal überlegen. Für ihn war schon vorher klar, dass er das Thema Velo stärker in den Unterricht integrieren will. Der Grund: die Corona-Pandemie. Diese hatte dem 36-jährigen Lehrer im letzten Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er unterrichtete damals eine 9. Klasse am OZK, mit der er am Ende des Schuljahres gerne eine grössere Abschlussreise hätte unternehmen wollen.

Doch die Weisung, keinen öffentlichen Verkehr mehr zu nutzen, machte seine Pläne zunichte. Auf das Velo ausweichen konnte er nicht, da nicht alle Schülerinnen und Schüler in der Klasse eines hatten. «Da war für mich klar, dass ich es mit meiner nächsten Klasse anders machen werde und das Velo von Anfang an in den Unterricht integrieren will.» Als er dies den Eltern seiner 7. Klässler am ersten Elternabend mitteilte, stiess er auf offene Ohren.

Von der Weste bis zur Route

Seither hat sich einiges getan: Die Klassen von Küenzi und Zwahlen nahmen am Veloförderungsprojekt Défi Velo teil und konnten dank der Unterstützung von Fuss Velo Köniz ihre Räder beim Besuch des Servicebusses auf dem Schulgelände auf Vordermann bringen lassen. Und die beiden Lehrkräfte finden stets Wege, das Thema Velo in den Regelunterricht zu integrieren.

Als es Anfang Schuljahr um die Klassenbildung ging, liess Florian Zwahlen alle seine Schülerinnen und Schüler aus Draht ein Velo formen. Diese setzten sie zu einem Mobile zusammen, das nun im Klassenzimmer hängt – als Sinnbild für das Klassengefüge.

Erst kürzlich schrieben sie in einem Aufsatz über das schönste oder schlimmste Veloerlebnis. Und es wird auch handfest: So nähen die Schülerinnen und Schüler von Sibylle Küenzi im Textilen Gestalten derzeit ihre eigenen Leuchtwesten. Geplant ist auch, dass die Jugendlichen ein Velo-Flick-Set zusammenstellen, damit das nötige Material vorhanden ist, sollten sie auf der Velotour dereinst einen platten Reifen reparieren müssen.

Ein Punkt ist den beiden Lehrkräften wichtig: Das Velo soll für die Jugendlichen nicht als mühsam und beschwerlich angesehen werden, sondern als etwas Praktisches, um von A nach B zu gelangen.

Noch nicht entschieden ist, wo die Abschlusstour hinführen wird. Das soll im Laufe des 8. Schuljahrs besprochen werden, sagt Zwahlen. Klar sei aber, dass die Tour nicht über irgendwelche Pässe führen werde, «da würde ein Teil dann doch nicht mitmachen», sagt Zwahlen und lacht.

Text: Lisa Stalder

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